Öl und Filter wechseln, Luftdruck checken, eine Wartungsliste abhaken, fertig. Macht 500 Euro. Oder mehr. Wenn’s ans Zahlen geht, sorgt die Inspektion immer häufiger für schlechte Laune. Laut DAT sind die Kosten für eine Wartung in den letzten fünf Jahren um gut ein Viertel gestiegen, auf durchschnittlich 542 Euro im Jahre 2025. Noch stärker steigen die Arbeitskosten. 2024 verlangten Werkstätten laut GDV für Mechanik-, Elektrik- und Karosseriearbeiten im Schnitt bereits 202 Euro pro Stunde.
Wer ohnehin zur Inspektion muss, kann allerdings einen Teil der Kosten zurückholen. Dekra, TÜV Nord, TÜV Rheinland und ADAC führen verdeckte Werkstatttests durch und suchen dafür private Testkunden. Voraussetzung: Marke, Fahrzeug und fällige Wartung müssen zu einer laufenden Testreihe passen.
Allein Dekra organisiert nach eigenen Angaben jedes Jahr rund 4.000 bis 5.000 solcher Tests. Hintergrund: Die Hersteller wollen wissen, wie ihre Vertragswerkstätten arbeiten und ob sie alle Standards erfüllen. Dafür brauchen sie ganz normale Kunden mit ganz normalen Autos. „Die Suche nach geeigneten Testkunden ist wirklich eines der Nadelöhre in dem Geschäft“, sagt Christian Ulrichs, der bei Dekra die Testabteilung leitet.
Zunächst registrieren sich Interessenten online, beispielsweise auf der Dekra-Webseite inspektion-kostenlos.de, geben Fahrzeug, ungefähren Kilometerstand, Region und den Termin der nächsten Inspektion an. Passt das Auto zu einer laufenden Testreihe, meldet sich die Prüforganisation. Das Fahrzeug sollte in der Regel jünger als zehn Jahre sein und tatsächlich vor einer Inspektion stehen.
Kommt ein Test zustande, vereinbart der Kunde wie gewohnt einen Wartungstermin. Möglichst mit Direktannahme, denn später zählt nicht nur die Arbeit am Auto. Kurz vor dem Werkstattbesuch trifft sich der Teilnehmer mit einem Sachverständigen. Der kontrolliert den Wagen und präpariert ihn mit mehreren kleinen Mängeln.
Dabei geht es nicht darum, die Werkstatt aufs Glatteis zu führen. Eingebaut wird nur, was laut Wartungsplan ohnehin kontrolliert werden muss. Mal erhöht der Ingenieur den Reifenluftdruck, nimmt das Warndreieck heraus oder tauscht den Verbandskasten gegen ein abgelaufenes Exemplar aus. Auch ein zu niedriger Kühlflüssigkeitstand oder ein schadhaftes Wischerblatt zählen zu den typischen Mängeln, welche die Werkstatt finden muss. Bei älteren Autos lässt sich auch schnell eine Blinkerleuchte gegen eine defekte tauschen. Bei neuen Fahrzeugen mit fest verbauter LED-Technik wird es allerdings immer schwieriger, fünf geeignete Testmängel zu finden.
Danach fährt der Testkunde zur Werkstatt und verhält sich möglichst unauffällig. Schließlich soll er für den Serviceberater ein Kunde wie jeder andere sein. Erst nach der Inspektion fliegt die Tarnung auf. Der Sachverständige prüft das Auto erneut und bespricht das Ergebnis mit dem Betrieb.
Ob alle eingebauten Fehler gefunden wurden, ist nur ein Teil der Prüfung. Je nach Hersteller kann der Fragenkatalog, den der Testkunde ausfüllen muss, deutlich weiter reichen. Wie lief die Terminvereinbarung? Gab es eine Direktannahme? Wurde Ersatzmobilität angeboten? War der Umgang freundlich? Wurde das Wartungsheft ausgefüllt? Manche Hersteller wollen sogar wissen, ob Getränke bereitstanden oder die Toiletten ausgeschildert waren.
Bei diesen weichen Faktoren zeigen sich in der Regel größere Unterschiede als bei der Technik. Bei mehreren eigenen Tests wurden die präparierten Mängel praktisch immer entdeckt. Beim Drumherum sah es anders aus. Da steht das Auto nachmittags fertig auf dem Hof, an der Kasse wartet die Rechnung, der Meister ist weg und niemand erklärt vernünftig, was gemacht wurde. Zahlen, Schlüssel nehmen, tschüss.
Durchfallen kann ein Betrieb dennoch. Beispielsweise, wenn es bei der Kundenbetreuung hapert. Dann kann der Hersteller einen Nachtest oder ein Coaching ansetzen. Der Kunde selbst hat damit nichts mehr zu tun. Je nach Testreihe bekommt er mindestens rund 200 Euro erstattet. Einige Hersteller zahlen einen festen Betrag, andere übernehmen Teile der Inspektion oder sogar die komplette Wartung.
Der Aufwand für den Kunden hält sich in Grenzen. Registrierung, Absprachen, das Treffen mit dem Sachverständigen und der anschließende Fragebogen kosten Zeit. Wer ohnehin zur Inspektion muss und etwas flexibel ist, kann dafür aber schnell mehrere Hundert Euro sparen.
